Die Cameron Highlands in Zentral-Malaysia sind bekannt für ihre grünen Tee Plantagen und ausgiebigen Trekkingtouren. Leider verbringen viele Touristen viel zu wenig Zeit in dieser tollen Region. Meistens sind sie nur ein oder zwei Tage zu Besuch, machen eine Tour vom örtlichen Anbieter und verschwinden dann wieder. Wir waren fünf Tage in den Bergen, haben die Region auf eigene Faust entdeckt und uns dabei richtig verlaufen.

Die Anreise

Die günstigste Variante ist, wie so oft, der lokale Bus. In Kuala Lumpur sind wir mit GrabCar zum Busbahnhof gedüst. Man kann die Tickets inklusive Sitzplatz direkt im Internet buchen oder wie wir spontan hinfahren, 35 Ringit pro Person zahlen und warten bis der nächste Bus fährt, dies ist auch etwas günstiger als die vorgebuchte Variante. Es ging alles so einfach und schnell, dass wir noch genug Zeit hatten um in einem der Foodcourts am Bahnhof zu essen. Dieser ist aufgebaut wie ein Flughafenterminal und sehr modern – wie so vieles in Kuala Lumpur.

Unsere erste Busfahrt in Malaysia konnte beginnen.

Der indische Busfahrer hat uns allen noch einmal die Benimm-Regeln in seinem Bus erklärt und uns allen unser Essen abgenommen. “NO FOOD IN BUS – NO VOMIT IN BUS – VOMIT IN BUS COST 500 RINGIT! Ok, nach dieser Ansage waren wir alle gut eingeschüchtert und hofften, dass uns während der vier stündigen kurvenreichen Fahrt nicht übel wird. Wir machten dann kurz vor den Bergen noch eine 20 minütige Pause – bevor es schließlich zum kurvigsten Teil der Strecke gehen sollte. Dem Fahrer war das mit dem NO VOMIT IN BUS so wichtig, das er vor Abfahrt zum zweiten Teil noch einmal Spucktüten verteilte, obwohl wir alle schon welche am Sitz hängen hatten. Um Himmels willen – was kommt denn bitte jetzt?

Vielleicht hätte er noch mobile Toiletten verteilen sollen, denn ein chinesischer Mitfahrer musste später so dringend aufs Klo, das er sich in seinem Sitz krümmte – uns tat der Bursche leid – dem Fahrer aber scheinbar nicht so sehr. Denn als dieser mehrfach gefragt wurde ob er denn mal kurz stoppen könne, schüttelte dieser nur heftigst den Kopf und meinte: “NO STOP ON STREET – SIT DOWN!”. Der arme Kerl hat es am Ende aber doch noch überstanden.

Da ist es!

… rief Daniel mit dem Zeigefinger in Richtung Fenster – da sind die Teeplantagen. WOW, was für ein Anblick – ich hatte sofort ein Lächeln im Gesicht und freute mich wie ein kleines Kind auf etwas Schönes. Wahnsinn, dieser Moment wenn man aus dem Dschungel über die Berge fährt und auf einmal endloses Grün vor sich hat, dass aussieht wie ein Mosaik aus Büschen – dazu noch die Strahlen der untergehenden Sonne, die die Berge in ein goldenes Licht tauchen – Unbeschreiblich schön. Ich wollte am liebsten sofort aus dem Bus springen und in den Plantagen umherlaufen.

Wir sind da!

Schnappen unsere sieben Sachen und steigen aus dem Bus – wir befinden uns in Tanah Rata, Cameron Highlands, Malaysia – manchmal müssen wir uns das selbst sagen um zu begreifen, wo wir uns gerade befinden und um zu verstehen, dass dies hier alles kein Traum ist. Das Dorf ist sehr klein und man kann alles zu Fuß erreichen. Es gibt eine Hauptstraße und hier befinden sich auch die meisten Restaurants und Guesthäuser. Wir haben uns ein Haus abseits des Trubels gesucht und durften dafür jedes Mal einen steilen Berg hoch und runter laufen. Besonders mit Rucksäcken auf dem Rücken eine große Freude. Die Zimmer waren aber sehr schön und wir hatten einen tollen Blick in die Berge, welche uns sofort wieder an Laos denken ließen. Den Abend beendeten wir bei einem leckeren indischen Essen, dass es hier in Malaysia überall gibt.

Der erste Tag

Nicht weit von unserem Guesthouse entfernt fanden wir einen kleinen Stand mit einen “we are open” Schild. Wir setzten uns und wollten unser Frühstück bestellen, als wir bemerkten das die beiden Betreiber, ein älteres Ehepaar, taubstumm sind. Wir zeigten auf unsere Wünsche und der Mann gab alles sofort in Zeichensprache an seine Frau in der Küche weiter. Ein perfekt eingespieltes Team, dass den Alltag ganz wunderbar meisterte. Der Bananen-Pfannkuchen hat so gut geschmeckt, dass ich gleich noch einen bestellt habe. Als wir dann zahlen wollten hat mir die Frau die ganze Zeit etwas versucht zu zeigen – bis wir dann verstanden haben, dass sie sich bedanken wollte das wir da waren und ein I LOVE YOU Zeichen in die Luft malte. Dieser Moment war einfach zauberhaft. Wir kamen später dann nochmal hier essen.

Gestärkt und mit neuem Tatendrang ging es dann weiter ohne Plan aber mit einem Ziel – die Teeplantagen genauer anzuschauen. Da wir kein Mopet mieten wollten sind wir für 10 Ringit mit dem Taxi zum ersten Teehaus gefahren und auf einmal standen wir da – mitten im Tee. Wir hatten das bereits auf Fotos gesehen, aber kein Foto kann festhalten wie es ist hier zu stehen und es mit eigenen Augen zu sehen. Und so standen wir erst einmal minutenlang sprachlos da und schauten in die Tiefe der mit Tee bewachsenen Berge.

Am zweiten Teehaus, welches weiter südlich liegt, haben wir uns einen leckeren hausgemachten Eistee und ein Stück Karotten-Kuchen gegönnt und die Aussicht genossen – Herrlich! Wenn Du auch mal hier her kommen solltest, dann musst du unbedingt ins zweite Teehaus fahren und diese Aussicht sehen.

Verlaufen im Tee

Für 2 Ringit Eintritt darf man dann in die Teefelder laufen und sich darin umschauen. Die Sonne schien und wir fanden das eine tolle Idee um noch mehr zu entdecken. Daniel hatte auch einen Weg durch die Felder gesehen, der nach einiger Zeit wieder zurück ins Dorf führen sollte – und so liefen wir einfach los – immer der Karte nach. Wir liefen durch Berge, Flüsse und an alten Hütten der Arbeiter vorbei. Wir schossen dabei unzählige Fotos, bis wir auf einmal in einem kleinen Dorf standen, dass nicht auf der Karte war. Hier gab es keine Touristen und die einheimischen winkten und lächelten uns zu. Dies war wieder völlig anders als im Rest von Malaysia – hier schienen sich nicht viele Ausländer her zu verirren und die Menschen freuten sich uns zu sehen. Jeder der vorbei kam grüßte uns oder fragte uns woher wir kommen.

Der Weg führte uns immer höher und wir passierten Felder, die keinen Tee trugen sondern ganz alltägliche Dinge wie Lauch und Karotten. Bauern pflanzten und ernteten das Gemüse und plötzlich fing es an zu regnen. Wir stellten uns kurz unter und entschieden dann – bevor es dunkel wird müssen wir hier wieder raus sein – also weiterlaufen, egal wie nass wir dabei werden. Wir konnten nur noch Dschungel sehen und die Wolken um uns herum. Es wurde immer nebliger und auf einmal standen wir mitten in einer Regenwolke – wir waren immerhin auf einer Höhe von 1600 Metern. Wir liefen und liefen und laut Karte waren es nur noch 800 Meter bis zu unserem Dorf. Da blieb Daniel auf einmal stehen und rief ganz laut: “OH SHIT – Hier ist Schluss”.

Doch das konnte nicht sein – bist du dir sicher? Die Karte sagte – weitergehen – doch der Weg sagte – Ende im Gelände. Vor uns lag eine Hütte, das Ende des Pfades und dichtes hohes Gras mit einer Menge Pflanzen drumherum.

Wir wussten nicht so richtig was wir jetzt tun sollten und fühlten uns das erste Mal auf unserer Reise wirklich unwohl. So kurz vorm Ziel aufgeben, das kannten wir nicht und wollten es auch diesmal auf keinen Fall soweit kommen lassen. Wir probierten also durch das Gras zu laufen und konnten keine fünf Meter gehen ohne dabei umzuknicken – überall am Boden waren Felsbrocken, die man durch das Gras nicht mehr sehen konnte.

In mir kam ständig der Gedanke auf: “SCHLANGE, SCHLANGE, SCHLANGE – gleich wird einer von uns gebissen”. Wir waren in kurzen Hosen und völlig ungeschützt unterwegs und auf uns allein gestellt – falls einem von uns etwas passieren würde, wäre Hilfe unmöglich zu erreichen. Wir mussten also in den sauren Apfel beißen und den ganzen Weg zurück gehen – 6 Kilometer weit zurück. Wir verfluchten diese Entscheidung, waren aber zugleich froh sie getroffen zu haben. Es wurde wieder dunkler und begann zu regnen, der Weg wurde rutschiger. Links von uns lag der Dschungel mit all seinen Geräuschen – rechts der Abgrund in die Berge – um uns herum die Wolken, die uns die Sicht nahmen. Unsere Köpfe spielten die schlimmsten Szenen aller bekannten Horrorfilme ab – Danke dafür Hirn! Es war echt gruselig und wir wollten in diesem Moment einfach nur noch raus aus dem Wald.

Als wäre das nicht schon genug, sind wir nach einiger Zeit auch noch an zerstörten Autos und einem Friedhof vorbei gekommen – Zeit das Ganze zu beenden – und in dem Moment sagte Daniel: “Hörst du das? AUTOS! – Das ist die Hauptstraße!” Wir waren endlich wieder unter Menschen. So sehr wir sonst immer allein sein wollen, in diesem Moment freuten wir uns auf die Anderen. Wir hatten kein Wasser mehr und stolperten wie die Zombies auf die Straße. Ein Pärchen aus La Réunion fand uns und muss sich wohl auch ein wenig vor uns erschrocken haben – sie fragten uns ob alles OK sei und wir konnten mit ihnen ein Taxi zurück ins Dorf teilen. Zuvor ging es aber noch schnell zum ersten Teehaus, dass nicht weit weg lag, um ein Stück Kuchen und leckeren Tee zur Stärkung zu uns zu nehmen.

Wir erfuhren später von einem der Locals hier, das dieser Weg sehr selten von Wanderen benutzt wird und wohl schon zugewachsen ist – ein Ranger wurde dann beauftragt diesen Weg wieder frei zu legen. Für uns leider zu spät.

Die bekannteste Tee-Marke Malaysias BOH

In wirklich jedem Hotel oder Guesthouse gibt es Tagestouren für 75 Ringit pro Person, die dir hier alles in einem Abwasch zeigen – falls du wenig Zeit hast, ist dies genau das richtige für dich. Teeplantage, Trekking-Routen, Erdeer-, Kaktus- und Schmetterlingshaus, Mooswald – welcher während unseres Besuchs zwar geschlossen war, aber dennoch angeboten wurde – egal… merkt eh keiner ob es der richtige ist oder irgend ein anderer Wald. Da wir solche “Alles in Einem und das in möglichst kurzer Zeit – Touren” nicht mögen, haben wir uns ein Taxi für 30 Ringit geschnappt und sind bis zur berühmten BOH Teeplantage gefahren. Das Ganze geht auch mit dem Bus, aber du verlierst Zeit beim Warten und musst dann noch 3 Kilometer von der Haltestelle bis zur Plantage laufen.

Auf dem Weg hat uns unser Taxifahrer noch etwas über die Plantagen erzählt. Er stoppte plötzlich, zupfte ein Blatt des Tees ab und gab es uns zum riechen. Dabei erzählte er das die Arbeiter 10 Cent pro Kilo gepflücktem Tee bekommen. Auch wenn sein englisch nicht das Beste war, haben wir uns gefreut das er sich die Zeit genommen hat uns alles zu erläutern. Wir glauben er hat einmal selbst hier als Pflücker gearbeitet haben ihn aber nicht danach gefragt. Als Taxifahrer wird er jetzt wohl mehr verdienen als seine Kollegen auf dem Feld.

Die BOH Plantage liegt oben auf einem Berg und viele Tagestouren finden hier statt. Wir sind ein wenig durch die Fabrik gelaufen und haben uns umgeschaut wie der Tee gemacht wird, außerdem gibt es ein kleines Museum mit unzähligen Informationen. Die Plantage selbst ist wie eine kleine Stadt für die Arbeiter – so gibt es Schulen und sogar Tempel der verschiedenen Religionen hier. In der Schule konnten wir beobachten wie den Kindern in Form eines Liedes beigebracht wurde, wie die verschiedenen Bestandteile des Tees heißen. Wir denken das auch Mathematik nicht mit Äpfeln und Birnen sondern mit Teesäcken erklärt wird. Eine eigene Welt.

Steig ein, ich fahr dich überall hin

Wir haben uns entschlossen wieder zu Fuß zurück zu laufen. Nach nicht mal 10 Minuten hat ein Auto neben uns gestoppt und der Fahrer meinte: “steigt ein ich nehme euch mit”. In Deutschland würde das wohl keiner so einfach machen. Eigentlich wollten wir ja selber zu Fuß laufen aber der junge Fahrer war so hartnäckig, dass wir gar nicht nein sagen konnten. Also stiegen wir ein und ließen uns mitnehmen.

Er kam aus Agerien und war super lustig – Als er hörte das wir aus Deutschland kommen, legte er sofort mit seinen Fußball-Kenntnissen los. Er sagte das die deutschen Spieler echte Maschinen und Raketen seien und er jedes Mal für Deutschland ist. Wir haben viel gelacht und er fragte uns wo wir hin wollten. Er hatte Zeit und fand es lustig mit uns rumzufahren. “Ja, wir wollten eigentlich zu einem Aussichtspunkt – aber lass mal, wir laufen” – “NEIN NEIN NEIN – ich fahr euch da hin – ich war ja selbst noch nie da”. Und so prügelte er seinen blauen Kleinwagen die huckelige Piste hinauf, die sonst nur Geländewagen nehmen. Es gab hier keine Schlaglöscher – denn die ganze Straße war ein einziges Schlagloch – eher wie ein ausgewaschenes Flussbett als eine Straße.

Oben angekommen, machte er noch Fotos von uns und fragte dann wirklich – “Wohin wollt ihr jetzt?” Wir konnten es nicht glauben – was ist denn los mit ihm? Wir ließen uns dann am Anfang der Straße absetzen und wollten ihm wenigstens einen Kaffee spendieren – nicht einmal das wollte er annehmen. Das einzige was er sich wünschte war, dass Deutschland Algerien mal beim Fußball gewinnen lässt. Nun ja, von uns aus gerne. Er wünschte uns dann noch eine gute Reise und viel Glück – und weg war er.

Sind eigentlich alle Menschen in Malaysia so nett? Bisher hatten wir jedenfalls Glück und trafen auf die nettesten Leute auf unserer ganzen Reise. Dieser Eindruck sollte sich auch später noch festigen.

Zurück in die Vergangenheit

Auf dem Weg zurück in die Stadt haben wir den Bus verpasst. Da wir nicht auf den nächsten eine Stunde warten wollten, sind wir einfach die Straße in unsere Richtung gelaufen, kamen so noch an den Kaktus und Erdbeerfeldern vorbei und standen auf einmal vorm Time Tunnel Museum. Klingt spannend also nix wie rein da. Willkommen in der Vergangenheit – hier findet man von der Geschichte Malaysias oder des Ortes bis hin zu alten Gegenständen alles aus vergangenen Zeiten. Eine spannende Ausstellung mit vielen kleinen und großen Exponaten, die man auch als Deutscher kennt. Wir finden das dies auf jeden Fall einen Besuch wert war.

Was kann man noch sehen in den Cameron Highlands?

In den Cameron Highlands kann man auch abseits des Tees vieles entdecken. Es gibt Erdbeerfelder, Mooswälder, Kaktus-Farmen und Wasserfälle – obwohl wir von unserem Horror-Erlebnis eigentlich erstmal genug vom Wandern haben müssten, zog es uns kurz darauf wieder auf einen der Trekkingwege – diesmal zum Robinson Wasserfall. Diesen Weg solltest du nur bei trockenem Wetter gehen, denn hier liegen rutschige Fließen als Gehweg, die bei Regen zu einer richtigen Rutschpartie werden können. Wir haben einige Leute gesehen die sich hier hingelegt haben und man selbst möchte das nicht erleben. Dennoch lohnt sich dieser Wasserfall mehr als der Perit-Wasserfall, welcher eher flach, müllig und unspektakulär ist.

Fazit

Am Ende unserer Zeit hier fanden wir diesen Ort wirklich traumhaft schön. Wir haben vieles gesehen und erlebt und schöne Erinnerungen mitgenommen. Wir werden diese Zeit hier nie vergessen und uns gerne daran erinnern. Die Highlands sind der perfekte Ort für Tee- und Trekkingliebhaber. Die kühlere Luft hier oben lässt einen gut durchatmen und zur Ruhe kommen. Für uns ging es weiter mit einem Minibus nach Penang.

Mein Tagesrucksack

Oft wurde ich auf Instagram nach dem grünen Tagesrucksack auf den Bildern gefragt. Dieser ist von Anello und mein ständiger Begleiter geworden.

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