Es gibt Reiseziele, die wie geschaffen für eine Reise zu zweit wirken, obwohl sie keine bestimmte Sehenswürdigkeit besitzen, die ausdrücklich mit Romantik verbunden ist. Alberobello und das Valle d’Itria im Herzen Apuliens sind ein gutes Beispiel dafür. Enge Gassen, Steinhäuser, Olivenhaine und kleine Ortschaften, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, schaffen eine Umgebung, die man am besten ohne allzu große Eile genießt.
Süditalien hat den Ruf, laut, spontan und bisweilen etwas chaotisch zu sein. Apulien zeigt eine andere Seite. Im Landesinneren erstreckt sich die Landschaft zwischen Feldern, Trockenmauern und alten Landwegen. Die Entfernungen sind relativ kurz und ermöglichen es, kulturelle Besichtigungen mit entspannten Mahlzeiten, Spaziergängen bei Sonnenuntergang oder einem Nachmittag ohne konkreten Plan zu verbinden.
Alberobello, ein erster Halt, den man nicht so schnell vergisst
Der erste Besuch gilt meist Alberobello, und dafür gibt es einen offensichtlichen Grund. Die Trulli, die charakteristischen Steinhäuser mit kegelförmigen Dächern, bilden eine Stadtlandschaft, die man kaum an einem anderen Ort findet.
Die historische Altstadt gliedert sich hauptsächlich in das Rione Monti und Aia Piccola. Im ersten Viertel befinden sich zahlreiche traditionelle Gebäude, Geschäfte und kleine Lokale. Aia Piccola besitzt einen stärker vom Wohnen geprägten Charakter und vermittelt einen guten Eindruck davon, wie diese Architektur weiterhin in das alltägliche Leben integriert ist.
Alberobello früh am Morgen zu erkunden, ist eine gute Möglichkeit. Die Straßen sind ruhiger und das Morgenlicht verändert das Erscheinungsbild der Steinfassaden. Es lohnt sich auch, am späten Nachmittag noch einmal ins Zentrum zurückzukehren, wenn viele Besucher den Ort bereits verlassen haben.
Für die Vorbereitung des Besuchs können Informationen über die wichtigsten Trulli in Apulien dabei helfen, die interessantesten Punkte zu finden und mehr über diese traditionelle Architektur zu erfahren, bevor der Rundgang beginnt.
Die Trulli haben eine Geschichte, die eng mit den traditionellen Bautechniken der Region und dem ländlichen Leben dieses Teils von Apulien verbunden ist. Um sie besser zu verstehen, lohnt es sich deshalb, auch den Ortskern zu verlassen und zu beobachten, wie sie zwischen Olivenhainen und ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieben auftauchen.
Das Valle d’Itria erlebt man auch unterwegs
Das Valle d’Itria ist kein Reiseziel, das man ausschließlich über eine bestimmte Sehenswürdigkeit erschließt. Ein großer Teil seines Reizes liegt in den Wegen dazwischen.
Die Nebenstraßen führen durch Olivenhaine, kleine landwirtschaftliche Betriebe und entlang von Steinmauern. An manchen Stellen tauchen einzelne Gruppen von Trulli zwischen den Feldern auf.
Für ein Paar kann es besonders praktisch sein, ein Auto zu mieten, wenn mehrere Orte innerhalb weniger Tage besucht werden sollen. Alberobello, Locorotondo, Cisternino und Ostuni liegen relativ nah beieinander, doch die öffentlichen Verkehrsverbindungen zwischen kleineren Orten verkehren teilweise weniger häufig.
Mit dem Auto kann man dort anhalten, wo es einem gefällt. Allerdings sollte man auf Bereiche mit eingeschränktem Verkehr achten. ZTL, also verkehrsbeschränkte Zonen, sind in den historischen Zentren italienischer Städte und Gemeinden weit verbreitet. Empfehlenswert ist es, das Auto auf ausgewiesenen Parkplätzen abzustellen und die Besichtigung zu Fuß fortzusetzen.
Wer lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, findet in Alberobello Bahn- und Busverbindungen zu anderen Orten Apuliens. Für einen Aufenthalt, der sich hauptsächlich auf Alberobello konzentriert, kann das ausreichend sein. Wer das gesamte Tal möglichst flexibel erkunden möchte, ist mit einem Auto jedoch praktischer unterwegs.
Locorotondo und Cisternino, zwei Orte zum ziellosen Schlendern
Nur wenige Kilometer von Alberobello entfernt liegen Locorotondo und Cisternino, zwei Orte, die sich hervorragend in eine Route durch das Tal integrieren lassen.
Locorotondo besitzt eine historische Altstadt mit engen Gassen und weiß getünchten Häusern. Der Rundgang nimmt nicht allzu viel Zeit in Anspruch, doch es lohnt sich, bis zum Nachmittag zu bleiben und zu beobachten, wie sich die Atmosphäre verändert, wenn die Restaurants langsam öffnen.
Cisternino bewahrt kleine Plätze und Gassen, in denen man leicht einige Minuten länger verweilt als ursprünglich geplant. Der Ort ist außerdem für seine Gastronomie bekannt und bietet verschiedene Lokale, in denen traditionelle Produkte und Gerichte der Region serviert werden.
In beiden Orten ist es am besten, das Auto außerhalb des historischen Zentrums abzustellen und zu Fuß weiterzugehen. Mit dem Fahrzeug zu versuchen, möglichst nah an den Ortskern heranzukommen, bringt meist wenig und macht den Besuch eher komplizierter.

Ostuni und die weiße Landschaft der Adriaküste
Ein weiterer Ort, der einen Zwischenstopp verdient, ist Ostuni, bekannt als die Weiße Stadt. Die historische Altstadt liegt auf einem Hügel und die weiß gekalkten Häuser bilden ein besonders eindrucksvolles Ensemble.
Die Gassen sind eng und teilweise ziemlich steil. Kleine Kirchen, Innenhöfe, Restaurants und Aussichtspunkte tauchen zwischen den Häusern auf. Von einigen Stellen reicht der Blick über die landwirtschaftlich geprägte Landschaft bis hin zur Adria.
Ostuni lässt sich gut mit einer Pause verbinden. Nach einem Rundgang durch die Altstadt kann man weiter zur Küste fahren oder sich einfach auf eine Terrasse setzen, wenn die Temperaturen am Nachmittag langsam angenehmer werden.
Essen gehört ebenfalls zur Reise
Über Tourismus in Apulien zu sprechen, ohne das Essen zu erwähnen, würde einen wichtigen Teil des Erlebnisses auslassen.
Die regionale Küche basiert auf einfachen Produkten: Olivenöl, Gemüse, frische Pasta, Käse, Fisch und saisonale Zutaten. Die Orecchiette gehören zu den bekanntesten Gerichten, während auch die Burrata einen festen Platz in der kulinarischen Tradition einnimmt.
Bei einer Auszeit zu zweit können die Mahlzeiten zu einem wichtigen Bestandteil des Tages werden. Es muss nicht ständig das bekannteste Restaurant der Umgebung sein. Ein Tisch in einer ruhigen Gasse und ein Teller Pasta können ausreichen, um nach mehreren Stunden zu Fuß eine angenehme Pause einzulegen.
Übernachten zwischen Olivenbäumen
Im Valle d’Itria gibt es zahlreiche Masserien, ehemalige landwirtschaftliche Betriebe, die teilweise in Unterkünfte umgewandelt wurden.
Viele von ihnen haben Steinmauern, Innenhöfe und andere Elemente der ursprünglichen Gebäude bewahrt. Einige liegen mitten in Olivenhainen und bieten eine deutlich ruhigere Atmosphäre als die Zentren der Ortschaften.
Vor der Buchung sollte man die genaue Lage überprüfen. Einige Masserien befinden sich weit entfernt von Bahnhöfen und Bushaltestellen, sodass ein Auto die Fortbewegung erheblich erleichtern kann.
Dafür bietet eine Übernachtung auf dem Land die Möglichkeit, eine andere Seite Apuliens kennenzulernen. Nach dem Besuch eines Ortes am Vormittag in eine von Olivenbäumen umgebene Unterkunft zurückzukehren, verändert den Rhythmus des gesamten Tages.

Ein Nachmittag am Meer vor der Rückkehr
Auch wenn Alberobello und das Valle d’Itria das Hauptziel der Reise sind, lohnt es sich, etwas Zeit für die Küste einzuplanen.
Polignano a Mare gehört zu den bekanntesten Orten an der apulischen Adriaküste. Der Ort liegt auf Klippen und bietet mehrere Aussichtspunkte mit Blick auf das Meer. Der kleine Strand zwischen den Felsen gehört zu den bekanntesten Motiven der Region.
Von Alberobello aus ist Polignano a Mare mit dem Auto in kurzer Zeit erreichbar. Auch öffentliche Verkehrsmittel bieten Verbindungen, allerdings können die Fahrpläne den Tagesablauf stärker bestimmen. Im Sommer empfiehlt es sich, früh anzukommen, um die stärksten Besucherströme zu vermeiden.
Nach mehreren Tagen, an denen Dörfer, Kirchen, Gassen und Landschaften entdeckt wurden, kann der schönste Moment vielleicht genau dann kommen, wenn nichts mehr auf dem Programm steht. Vor der Adria sitzen, beobachten, wie sich das Licht verändert, und einfach den Nachmittag verstreichen lassen.
Vielleicht ist genau das einer der Vorteile einer Reise zu zweit durch Alberobello und das Valle d’Itria: Es gibt genügend Orte, um die Reise abwechslungsreich zu gestalten, aber gleichzeitig auch genug Raum für spontane Entscheidungen. Eine Nebenstraße, ein freier Tisch auf einem kleinen Platz oder ein Spaziergang, der länger dauert als geplant, können am Ende zu den Erinnerungen gehören, die bleiben, wenn es Zeit für die Rückkehr ist.

