Jeder, der den Sommer liebt, kennt das: Der Winter in Deutschland ist lang, kalt und windig. Wie oft sitzt man Zuhause und denkt sich „Oh ich wäre jetzt gerne in der Sonne“. Doch wie ist die Realität? Wir arbeiten 40 Stunden die Woche und haben nur rund 5 Wochen Urlaub im Jahr. Meist ist es nicht einfach mal schnell übers Wochenende in die Sonne zu fliegen. Also dachte ich mir: zum Reisen muss ich erstmal einige Jahre Geld sparen, also wandere ich einfach aus in die Sonne. Durch mehrere Zufälle ergab es sich, dass ich spontan auf Zypern gelandet bin.

Ich bin Saskia @MIA_WUNDERLAND und nun seit fast 8 Monaten hier in diesem Beitrag werde euch einen kurzen Einblick in das Leben auf Zypern geben. Da ich in den letzten 8 Monaten mehr erlebt habe, als in den letzten 5 Jahren in Deutschland werde ich versuchen alles etwas zusammenzufassen, da ihr wahrscheinlich sonst ein komplettes Buch hier finden würdet.

Warum Zypern?

Tja, warum eigentlich? Zypern bietet viele Möglichkeiten für Jobs für Sprachen aus aller Welt, da sich einige internationale Firmen hier angesiedelt haben. Zudem war Zypern früher eine englische Kolonie, wodurch die zweite Landessprache hier Englisch ist. Super dachte ich mir. Mit Englisch komme ich klar, Griechisch kann ich mit der Zeit lernen. Klingt doch alles ganz einfach. Außerdem sehen die Karrieremöglichkeiten für Deutsche hier doch ziemlich gut aus. Ich fand einen Job bei einem Broker und so packte ich meine Sachen, kündigte meinen Wohnsitz und freute mich auf ein Land mit einem Sommer (fast) das ganze Jahr über. Was mich auf Zypern erwarten würde? Griechisches Essen, Sonne, nur fröhliche Menschen, ein entspanntes Leben – so hatte man es mir beschrieben. Also ist doch alles perfekt! Oder etwa nicht!

Der Abschied

Der 21. Februar. Ein wunderschön sonniger kalter Wintertag in meinem geliebten Hamburg. Mein Hamburg, meine Perle, zeigt sich noch einmal von der besten Seite. Schweren Herzens steige ich in den Zug und fahre Richtung Köln, um mich noch von meinem Vater zu verabschieden und meinen Flug in die Sonne zu nehmen. Während der Fahrt kullern dann doch die Tränen und die ersten Zweifel und Ängste kommen. War es die richtige Entscheidung? Soll ich aussteigen und zurückfahren? Was gebe ich hier gerade alles auf? Mein Herz gehört Hamburg und ich habe das Gefühl, dass ich mein Herz auch genau dort gelassen habe.

In Köln angekommen steige ich mit verheulten Augen aus dem Zug, während mir meine Freunde noch alle schreiben, wie sehr sie mich vermissen werden und mir alles Gute wünschen. Angekommen in Köln empfängt mich mein Vater mit Freude und zugleich Abschiedsschmerz. Ein letzter Tag in meiner alten Heimat.

Der Neuanfang

22. Februar. 3 Uhr am Morgen. 0 C° in Köln. Geschlafen habe ich nicht. Mit völligem Gefühlschaos geht es zum Flughafen. Alleine steige ich in den halb leeren Flieger. Den ganzen Flug über kullern dann doch weiter Tränen. In diesem Moment bin ich mir der ganzen Sache doch nicht mehr so sicher.

4 Stunden später steige ich bei 20 C° und Sonne aus. Die ersten Sonnenstrahlen trocknen die Tränen und ich fühle wie die warme Meeresluft meine erfrorene Haut erwärmt. Es geht direkt (völlig übermüdet) in meine neue Firma, wo ich herzlich mit einer Umarmung empfangen werde. Danach geht es direkt in mein Apartment, was ich mir mit 2 meiner Kollegen teilen soll. Die beiden liebenswerten und chaotischen Jungs (Engländer und Spanier) bieten mir erstmal ein Bier am Abend an, als sie nach Hause kommen. Ich mag die beiden, doch schnell wird mir klar, dass ich etwas Eigenes brauche.

Den nächsten Tag habe ich noch frei und gehe direkt erstmal zum Probetraining in meinem neuen Gym. Die nächsten Tage erlebe ich so viele neue Eindrücke, dass für Emotionen kein richtiger Platz ist bzw. bin ich so verwirrt und überfordert mit allem Neuen, dass die Gefühle dauernd schwanken und alles extrem aufregend ist.

Meine erste eigene Wohnung auf Zypern

Nach 1 ½ Wochen ziehe ich also in mein eigenes Apartment. So komfortabel wie in Deutschland ist es hier nicht. Von Isolation und guten Fenstern haben die hier auf Zypern noch nicht viel gehört, auch der Wasserdruck in den Leitungen ist eher naja – gewöhnungsbedürftig. Aber was hatte ich erwartet? Mehr. Ich bin schließlich in Deutschland aufgewachsen und sehe dies als Standard an.

Südliche Länder kenne ich nur aus dem Urlaub und aus Hotelsicht. So erlebe ich also die erste Ernüchterung. Wie es wohl im Sommer sein wird? Der Sommer kam schnell. Und somit auch die erste Kakerlake. Ja von denen gibt es hier im Sommer sehr viele. Was hatte ich denn auch anderes erwartet auf einer Insel mitten im Mittelmeer? Keine Kakerlaken. Aber okay. Es gibt ja zum Glück einiges gegen Ungeziefer. Als dann jedoch meine Klimaanlage ausfiel und mein Vermieter zu diskutieren begann (es ist bereits Juli), entschließe ich mich auszuziehen und mir etwas Neues zu suchen. Eine Freundin hilft mir und so finde ich ein Haus eine Minute vom Meer entfernt. Es ist ein altes Haus, ich muss die Klimaanlage selber installieren, aber es hat einen wunderschönen Hinterhof und Charme. Dort lebe ich nun seit August.

Die organisatorischen Dinge

Innerhalb von 4 Monaten benötigst du einen „Yellow Slip“ um offiziell hier arbeiten zu dürfen. Dieser ist mit mehreren verschiedenen Behördengängen verbunden, was sich ungefähr 3 Wochen hinzieht, da auf Zypern doch nicht alles so einfach verknüpft (und eher etwas altmodisch) ist als in Deutschland. Willkommen zurück in 1950. Übrigens: Für ALLE Dokumente und Verträge benötigst du Stempel. Alles beruht auf gestempelten Dokumenten, mit Digitalisierung wird es hier wohl noch einige Jahre dauern. Schnell merke ich, dass wir in Deutschland doch ein sehr komfortables und einfaches und gut organisiertes Leben haben. Um auf alles genauer einzugehen würde ich jedoch noch Stunden brauchen. Aber nun zu dem was ihr wirklich wissen wollt. Wie ist die Insel und der Alltag hier?

Die Insel

Erstmal zur Infrastruktur. Die gibt es hier nicht. Es gibt wenige Busse, aber grundsätzlich brauchst du ein Auto oder einen Motorroller. Immerhin gibt es seit ein paar Jahren einen Highway. Die Landschaft ist sehr schön. Es gibt sogar Abwechslung: Sandstrand, Kieselstrand, Klippen und Berge! (Im Winter soll man sogar Ski fahren können)

Der Alltag ist ähnlich wie in Deutschland. Arbeiten, Essen & Schlafen. ABER doch irgendwie anders. Die Uhren drehen etwas langsamer, jeder ist entspannter, langsamer und nimmt es mit den Zeiten nicht ganz so genau. Die Wochenenden fühlen sich immer wie Urlaub an. Das heißt, dass es nie langweilig wird. Ich habe das Gefühl einige Jahre in der Zeit zurückversetzt zu leben. Zwar hat man nicht den Komfort, den man aus Deutschland gewöhnt ist. Jedoch lerne ich dadurch mich an den kleinen Dingen zu erfreuen und einfach das Leben zu genießen. Ich merke, dass ich zuvor völlig verwöhnt und reiz überflutet war. Auch all der Stress den das Großstadtleben mit sich bringt, von dem spüre ich hier nichts.

Wir haben nun Oktober und noch immer kann ich mich in die Sonne legen und in das warme Meerwasser springen. Die Zeit scheint ein bisschen stillzustehen. Und egal wie sehr ich Deutschland, das Essen dort, die modernen Gebäude, die günstigen Supermärkte, die gute Infrastruktur, das organisierte Leben und den Komfort vermisse: wenn ich nun im Herbst an den Klippen sitze und das Meeresrauschen genieße weiß ich warum ich ausgewandert bin.

Ich weiß das Leben mehr zu schätzen und genieße es hier, habe wunderbare Freunde aus aller Welt gefunden und erlebe täglich den Einfluss unterschiedlichster Kulturen. Ich bin offener geworden und glücklicher. Das heißt nicht, dass das Leben leicht ist. Es ist oft schwieriger. Doch ich wachse daran und es macht einen selber stolz, wenn man in sich hineinhört und jeden Tag neue Dinge erlebt und erlernt. Zwar sind manche Tage auch ziemlich nervig und alles braucht etwas Zeit. Doch nur wer aus dem gewohnten Leben ausbricht, kann auch daran wachsen.

Ich weiß nicht wie lange ich hier bleiben werde. Ein paar Jahre? Für immer? Einen Plan habe ich nicht. Das ist das was ich in den letzten Monaten gelernt habe: Das Leben und den Moment leben, ohne mich ständig unter Druck zu setzen und alles etwas „fließen“ lassen. Ich hoffe die Bilder geben euch einen kleinen Einblick in die diese wunderschöne kleine Welt.

Gerne würde ich noch mehr schreiben, aber wie gesagt, das wäre ein komplettes Buch …


Wenn ihr noch mehr von Saskias Leben auf Zypern sehen wollt, dann schaut mal auf ihrem Instagram-Kanal vorbei.

Viel Spaß
Santa und Daniel

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