Zugegeben, es war vielleicht keine besonders clevere Idee mitten im Hoch-Sommer nach Dubai zu reisen – ehrlich gesagt war es eine echte Schnaps-Idee. Wir sollten eine neue Definition von Hitze kennenlernen.

Nachdem wir einen Monat auf Sri Lanka verbracht haben, sollte unsere Reise langsam Richtung Westen weitergehen. Zwei Monate blieben uns noch bis wir wieder in Deutschland ankommen wollten und so suchten wir uns ein Ziel zwischen Sri Lanka und der Türkei, die wir später noch besuchen wollten.

Die Wahl fiel auf Dubai. Als Spar-Füchse und Schnäppchenjäger buchten wir natürlich keinen Direkt-Flug nach Dubai, sondern in die Nachbarstadt Sharjah (Schardscha). Diese Stadt ist nicht so bekannt und damit auch nicht so teuer wie Dubai. Hotels kosten die Hälfte und auch Flüge hier hin sind meist billiger. Von Sharjah aus kommt man aber recht unkompliziert nach Dubai, wenn man möchte.

Schon an der Emigration begegnen einem Männer in der traditionellen Kandora, dem bekannten weißen Gewand der Emirate. Man wechselt ein paar Worte und bekommt einen Stempel in den Pass. Nichts Besonderes und auch schon viele Male zuvor erlebt. Aber der Anblick dieser Art Uniform ist eben doch etwas Neues für uns.

Kaum sind wir aus dem Flughafen spüren wir die Hitze auf unserer Haut. Das Thermometer am Ausgang des Flughafens zeigt 39 Grad. Es brennt ungewohnt heiß im Gesicht. Temperaturen wie diese waren aber auch in Thailand und auf den Philippinen keine Seltenheit – doch hier in Dubai ist die Luft staubtrocken. Außer Beton und Sand gibt es nichts ums uns herum. Es ist 8 Uhr morgens und das Schlimmste vom Tag kommt erst noch.

Wir nutzen den Bus, um Richtung Dubai zu kommen und müssen dann auf ein Taxi umsteigen, da der Bus nicht direkt bis nach Dubai fährt. 25 Euro kostet uns diese Taxi-Fahrt, was zwar teuer aber immer noch günstiger als der Direkt-Flug in die Mega-Metropole ist.

Unser Hotel (das Raintree Hotel Rolla) befindet sich im Stadtteil Al Raffa – einem weniger luxuriösen Stadtteil am Rand der Altstadt. Wichtig für uns – es gibt eine U-Bahn-Station (Al Fahidi) und das Meer in der Nähe. Den Rest kann man sich bequem von hier aus anschauen. U-Bahn fahren ist hier sehr günstig und damit haben wir eine gute Möglichkeit den Rest der Stadt zu sehen. Wer es exklusiver mag kann auch gern mal die Gold-Klasse der U-Bahn testen. An den Stationen sind diese besonderen Wagen schon auf dem Boden markiert. Genau wie die Wagons welche nur für Frauen bestimmt sind.

Mittels der Taxi-App Careem (mittlerweile von UBER übernommen) kommt man aber auch in den Genuss von nicht all zu teuren Taxifahrten quer durch die Stadt. Nutzt man die App eine Weile nicht, bekommt man Gutscheine und Rabatte geschickt die einem die erste Fahrt schmackhaft machen sollen. So sind wir später mit einem Lexus zur Bushaltestelle chauffiert worden – for free.

Wie heiß ist zu heiß?

39 Grad sind auch in Deutschland schon kein Wetterereignis mehr, über das man sich groß wundert. Doch während im Rekord-Sommer 2018 die Zeitungen voll waren mit Meldungen über stöhnenden Menschen und ausgetrocknete Felder waren wir bei 50 Grad in einem Land ohne Felder und Wälder. Einem Land aus Beton, Sand, Stahl, vermeintlichem Luxus und unfassbar reichen Menschen die in dildofarbenen Protzkarren über die 5 spurige Autobahn hin und her düsen.

Wir liefen zwischen den Häuserschluchten entlang auf der Suche nach unserem Mittag- oder Abendessen. Dabei kochen unsere Arme – obwohl die Sonne hinter einem Schleier aus Wüstensand nur milchig zu sehen ist. Doch unter dieser Sand-Glocke heizt sich die Stadt rasend schnell auf.

Dubai - lets-do-this.de

Schweiß verdunstet sofort und bringt keine Abkühlung mehr. Alles was man fühlt ist das stechende Brennen unter der Haut. Ohne Wasser fühlt man sich sofort benebelt und es wird einem schwindlig. Diese Situation ist unangenehm und beängstigend zugleich. Die einzige Rettung ist ein Sprung in einen Raum, in dem die Klimaanlage auf Hochtouren gegen die Hitze kämpft. Selbst das Meer bietet keine Abkühlung mehr, da es selbst mit 30 Grad total aufgeheizt ist und sich wie eine viel zu heiße Badewanne anfühlt.

Shopping-Center, in denen es eiskalt ist und eine Ski-Halle in der minütlich Unmengen an Energie aufgewendet werden, um einen pinkfarbenen Skianzug wieder notwendig werden zu lassen, zeigen den Wahn dieser Stadt nach Extremen. Doch die meisten Menschen arbeiten draußen – bauen neue Wolkenkratzer, schütten Sand zu Palmen-Inseln auf oder verdienen sich ihre Aufenthaltserlaubnis auf dem Markt.

All das während die Sonne die Straßen und Häuser wie Backöfen aufheizt und jede Minute im Freien unerträglich macht. Ist das die Zukunft unseres Planeten? Kahle Landschaften und Betontürme in denen wir künstlich am Leben gehalten werden? Lange kann der Mensch solche Temperatur-Extreme der Natur jedenfalls nicht ertragen. Die schlechte Nachricht, es werden auch in Dubai jedes Jahr neue Hitze-Rekorde gebrochen.

Sehenswürdigkeiten in Dubai

Natürlich erwartest du in diesem Beitrag auch Sehenswürdigkeiten und Tipps für deinen Aufenthalt in Dubai. Aber wir erzählen dir hier nicht von den Wasserspielen vorm Burj Kalifa und auch nicht vom Luxus des Burj Al Arab. Diese “Sehenswürdigkeiten” sind völlig überbewertete Gebäude die unserer Meinung nach aber sowieso auf deinem Reiseplan stehen werden. Auch wir haben uns diese in Beton gegossenen Phallussymbole angeschaut – dachten am Ende aber nur – die sind doch verrückt. Die Hälfte der Etagen stehen übrigens leer.

Burj Khalifa Dubai - lets-do-this.de

In der Dubai Mall erfuhren wir dann vom neuen Giganten des Irrsinns. Einem Projekt namens “THE TOWER” welcher 2020 im Dubai Creek Harbour fertiggestellt werden und mit ca. 1400 Metern Höhe wieder einmal für neue Rekorde sorgen soll. Aus dem Wüstenboden gestampfte Eitelkeit aus Beton und Stahl.

Um zu sehen, wie aus einem kleinem Dorf der Perlentaucher dieses gigantische Öl-Imperium werden konnte, als das sich Dubai heute noch gern sieht, lohnt sich ein Besuch in der Altstadt. Hier sieht man traditionelle Wohnhäuser aus Lehm ausgestattet mit einem ausgeklügelten Belüftungssystem.

Dubai old town

Nicht weit davon entfernt wartet eine kleine Bootsfahrt über den Fluss (50 Cent) hinüber zum Souk auf dich. Auf diesem Markt gibt es zu “Aldi-Preisen” nicht nur günstig Gold zu kaufen. An jeder Ecke wirst du auf Deutsch auf die gut riechenden Gewürze und garantiert echten Marken-Uhren hingewiesen. Hier arbeiten fast ausschließlich Inder und Pakistaner aber garantiert keine Emiratis.

Über die Dünen mit dem Geländewagen

Wüstensafari oder auch Dunebashing ist eines der Highlights für viele Touristen, wenn sie nach Dubai kommen. Auch wir haben uns dieses Spektakel angeschaut und geben dir ein paar Tipps zu diesem Event. Zuerst einmal kannst du verschiedene Varianten buchen. So gibt es die Abholung mit dem Jeep direkt vor deiner Hoteltür, dies ist die teuerste Variante. Dann gibt es noch die Anreise mit dem Sammel-Bus – meist von einem Knotenpunkt wie einem Shopping-Center aus. Hier sparst du auf jeden Fall eine Menge Geld. Außerdem gibt es noch die eigene Anreise, aber dafür brauchst du einen Mietwagen und musst selbst in die Wüste fahren und dort in die Jeeps umsteigen.

Kamele in Dubai - in der Wüste - lets-do-this.de

Am Ende landen aber alle in den gleichen Jeeps, fahren 5 bis 10 Minuten durch die Wüste und brettern steile Dünen rauf und runter zu einem Sammelpunkt. In diesem Camp wird man dir versuchen ein “typisches” Beduinen-Kopftuch, Kamelreiten, Quad fahren oder ein Foto mit einem Falken zu verkaufen. Du kannst aber auch einfach ein Stück in die Dünen laufen und die Ruhe der Wüste genießen.

In der Wüste von Dubai - lets-do-this.de
Dubai - in der Wüste - lets-do-this.de

Später gibt es eine Show mit Tanz und Feuerspucker, ein großes Buffett und kurz nach Einbruch der Dunkelheit geht es auch schon wieder zurück in die Stadt. Durchgeführt wird das ganze von Männern aus Afghanistan und Armenien die sich in Kostümen als Scheichs präsentieren.

Ist Dubai eine Reise wert?

Wir sind nicht sonderlich überzeugt von diesem Ort als Reiseziel. Klar gibt es hier Luxus und Superlative. Klar ist aber auch, dass dies nur die Fassade eines Landes ist. Wenn du aber auf vergoldete Steaks und mit Perlen besetzte Schmuckstücke stehst, dann ist Dubai genau dein Ding. Die meiste Zeit wirst du wohl in einem 5 Sterne Hotel deinen Urlaub verbringen, zu festen Zeiten essen und am Pool entspannen. Wir empfehlen dir aber auch die andere Seite Dubais zu suchen und nicht nur auf die glitzernde Fassade zu blicken.

Wir haben mit Menschen gesprochen die in Dubai als Hausmädchen oder als Verkäufer arbeiten. Kaum einer ist gern hier – die meisten arbeiten um ihre Familien in Sri Lanka, Indien, Pakistan, Armenien oder Bangladesch mit Geld zu versorgen. Sie leben zusammen in kleinen Appartements oder in Arbeitscamps die außerhalb der Stadt liegen. Ihnen werden die Pässe abgenommen und Sie schicken das verdiente Geld zu einem großen Teil in ihre Heimat. Nach Hause zu fliegen können Sie nicht und so sieht man oft Männer mit Handys in der Hand, die mit ihren Kindern in der Heimat per Videochat telefonieren.

Wir möchten dir diesen Ort sicher nicht mies machen oder gar verteufeln. Im Gegenteil – wir sind große Freunde davon sich immer selbst ein Bild von einer Sache zu machen und wer weiß, vielleicht liegen wir ja auch völlig falsch und du hast eine richtig tolle Zeit in Dubai. Lass uns deine Meinung gern unten in den Kommentaren wissen.

Viel Spaß
Santa und Daniel

Categories: Dubai

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